Martin EggertIntense Look

CGI

Ein Bildgenerator kann alles — nur nicht beurteilen, ob es stimmt.

Wer heute Bilder erzeugt, tippt keine Blende mehr ein. Er beschreibt, und eine Maschine liefert. Das Ergebnis sieht auf den ersten Blick immer gut aus. Genau darin liegt das Problem.

Denn die Maschine hat nie in einer Halle gestanden. Sie weiß nicht, dass ein Hallendach das Licht anders wirft als ein Fenster. Dass eine Maschine dieser Größe nicht so aufgestellt wird. Dass ein Mensch, der seit acht Stunden arbeitet, anders steht als ein Model. Sie erzeugt einen Schatten, weil dort ein Schatten hingehört — nicht, weil dort eine Lichtquelle ist.

Die Arbeit besteht deshalb nicht im Beschreiben, sondern im Beurteilen:

  • Woher kommt das Licht, und wirft es die Schatten, die es werfen müsste?
  • Ist die Brennweite plausibel für diesen Abstand, oder kippt die Perspektive?
  • Stimmt das Verhältnis von Mensch zu Maschine, von Maschine zu Halle?
  • Trägt das Bild seine Aussage — oder ist es nur schön?

Das sind dieselben vier Fragen wie am Set. Nur dass die Antwort jetzt nicht darüber entscheidet, ob man den Aufbau umstellt, sondern ob man das Bild verwirft und noch einmal von vorn anfängt.

Dreißig Jahre am Sucher sind dafür keine Nostalgie. Sie sind der Grund, warum ich in zwei Sekunden sehe, was an einem generierten Bild nicht stimmt — und meistens auch, warum.